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Nick Oberthaler - M_O_B: Search and Decode

Neonröhren leuchten von der Decke des Gewölbes der Galerie auf die sieben Leinwände aufgereiht an einer Wand. Die Bilder wirken präzise und wie maschinell hergestellt, selten sind Spuren von manueller Bearbeitung zu sehen. Dennoch geschieht das Auftragen von Schicht um Schicht aus Farbe, durch Schablonen und Raster, immer noch per Hand. Sie erschöpfen das Auge, diese, wie geschnittenen, sich wiederholenden Silberdiagonalen in Kontrast zu Neongelb, Rot, Rosa. Optische Effekte erzeugen farbige Felder entlang der scharfen Linien; auf das Gelb starren macht die Wände pink; der feuchtglänzende Boden reflektiert.

Abstraktion erschließt sich über den Raum, den sie eröffnet. Verschränkt sich mit der Situation, besetzt vielleicht sogar eine Zone, in der sich der Körper ausrichtet, in verschiedenen Winkeln zu den Bildern. Eine Reihe, Sequenz oder Serie, eine Abfolge in der ein Bild aus dem nächsten sich ergibt, aber ohne einer narrativen Logik zu folgen. Keine Story, sorry. Unter welchen Bedingungen wird gearbeitet, Repräsentation vermieden oder umgangen, durch Kodierung Wirklichkeit hergestellt? Die Referenzen sind entfernte Bekannte, vielleicht auch unmöglich. Es gibt einen Begleittext von Marie de Brugerolle - Kunsttheortetikerin und Kuratorin, mit der Nick Oberthaler seit längerem in Austausch über seine Arbeit steht - der auf Markierungen verweist und auf die Assemblage als Entwurfstechnik einer postmodernen Geographie, einer Art losen Kette. Diese Bilder haben etwas von Flyern, Zigarettenschachteln oder Buchcovern in minimalistischer Punk- Ästhetik. Brugerolle spricht davon, dass der graue Teil, der „wie gefaltet“ aussieht, eine Distanz zum Werk herstellt, eine Ambivalenz anzeigt. In der Falte verbergen sich miteinander unvereinbare Entwürfe von Welt, die dennoch koexistieren.

Konkreter spürbar ist der Bezug zum Raum, zur Situation oder zum Setting. Ein leichter Schwindel stellt sich ein, eine Wahrnehmungsveränderung, eine Ansammlung von Affekten. Vielleicht ein Ausgeliefertsein an die geometrische Form, die erschöpfende Berechnung, die silberne Schräge, metallisch und hart, vielleicht weil diese Ungleichheit alles kreuzt.

Der Titel M_O_B ist auch so eine Sache – eine Assoziationseinladung? Der Mob, oder die aufgebrachte Volksmenge ergibt ein schönes Spektakel, das von der Wand in den Raum ausstrahlt, wie ein Schmerz von der Leber aus, in die rechte Schulter. Für das mit „Generation Abwärts“ untertitelte Bild verwendet Oberthaler eine Seite der Frankfurter Rundschau als Malgrund. Es wird auf eine Berechnung verwiesen, die besagt, dass die heute Jungen den Lebensstandard ihrer Eltern wohl nicht erreichen werden, eine mathematische Prognose, deren genaue Parameter fragwürdig bleiben, die aber unsere erlebte Realität und Lebensrealität durchaus beeinflusst. Welche Ressourcen stehen uns für die Durchsetzung unserer Ziele zur Verfügung? Daraus ergibt sich die ewige Frage nach dem Kapital, die hier in kodierter Form ausgestellt wird. Es ist fast absurd komisch, dass Oberthaler selbst die Liste der bedeutendsten österreichischen Künstler*innen unter vierzig anführt (1), also in einem Ranking, das ja auch wieder eine Abfolge aus Bewertungen ist.

(1) TREND Kunstranking 2019

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Sophie Stadler ist artmagazine Stipendiatin 2019
Wir danken der   für die Unterstützung des artmagazine-Stipendiatenprogramms

Nick Oberthaler - M_O_B
26.06 - 03.08.2019

Galerie Emanuel Layr
1010 Wien, Seilerstätte 2/26
Tel: +43 1 945 1791, Fax: +431 1 5238422
Email: gallery@emanuellayr.com
http://www.emanuellayr.com
Öffnungszeiten: Mi-Fr: 12-18h
Sa: 11-15h


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